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Glossar

Fachbegriffe, verständlich erklärt.

Wir vermeiden medizinisches Vokabular, wo wir können — und erklären es, wo es nötig ist. In allen Artikeln erscheinen diese Begriffe als kleine Sprechblase beim Hovern.

Allgemein

ACOG
American College of Obstetricians and Gynecologists — US-Fachgesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, deren Empfehlungen international viel zitiert werden.
AWMF
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften — sie veröffentlicht die deutschen medizinischen Leitlinien (z. B. S2k, S3).
BMI(Body-Mass-Index)
Body-Mass-Index: Verhältnis von Gewicht zu Körpergröße. Wird u. a. genutzt, um Risiken hormoneller Verhütung einzuschätzen.
Chlamydien
Häufigste sexuell übertragbare bakterielle Infektion. Oft ohne Symptome, kann unbehandelt die Eileiter schädigen und Unfruchtbarkeit verursachen.
Cochrane
Internationales Netzwerk, das medizinische Studien systematisch zusammenfasst (Cochrane Reviews) — gilt als Goldstandard der evidenzbasierten Medizin.
Enzyminduktoren(Enzyminduktor)
Medikamente oder Pflanzenstoffe (z. B. bestimmte Antiepileptika, Johanniskraut), die den Abbau von Hormonen in der Leber beschleunigen und damit die Verhütungssicherheit senken.
Evidenz(Evidenzlevel, Evidenzgrad)
Wie gut eine Aussage durch wissenschaftliche Studien belegt ist. Hohe Evidenz = mehrere gute Studien zeigen dasselbe; niedrige Evidenz = wenige oder schwache Daten.
Knochendichte
Maß für den Mineralgehalt der Knochen. Eine geringere Knochendichte bedeutet ein höheres Bruchrisiko.
Kontraindikation(Kontraindikationen)
Ein Umstand (z. B. Vorerkrankung), bei dem ein Mittel nicht oder nur eingeschränkt angewendet werden darf.
Lungenembolie
Verschluss einer Lungenarterie durch ein verschlepptes Blutgerinnsel. Notfall — Zeichen sind plötzliche Atemnot, Brustschmerz, Herzrasen.
MEC(Medical Eligibility Criteria)
WHO-Kriterien, die für jede Verhütungsmethode angeben, bei welchen Vorerkrankungen sie sicher, eingeschränkt oder gar nicht empfohlen ist.
Migräne mit Aura
Migräne mit vorausgehenden neurologischen Symptomen (Sehstörungen, Kribbeln, Sprachstörungen). Sie schließt östrogenhaltige Verhütung wegen erhöhtem Schlaganfallrisiko aus.
NICE
National Institute for Health and Care Excellence — britisches Institut, das evidenzbasierte Behandlungsempfehlungen erstellt.
Osteoporose
Knochenschwund: Die Knochendichte nimmt ab, Knochen brechen leichter. Relevant z. B. bei der Dreimonatsspritze.
Ovarialkarzinom(Ovarialkarzinome, Eierstockkrebs)
Eierstockkrebs. Langjährige Einnahme der Kombinationspille senkt das Risiko dafür deutlich.
Ovulationstest(Ovulationstests, LH-Test)
Urintest, der den LH-Anstieg vor dem Eisprung erkennt und so die fruchtbarsten Tage anzeigt.
S2k-Leitlinie(S2k-Leitlinien, S2k)
Leitlinie, die von Fachgesellschaften in einem strukturierten Verfahren abgestimmt wurde — ohne die vollständige systematische Literaturbewertung einer S3-Leitlinie.
S3-Leitlinie(S3-Leitlinien)
Höchste Qualitätsstufe einer medizinischen Leitlinie in Deutschland: systematische Aufarbeitung der Studienlage plus Zustimmung von Fachgesellschaften.
STI(sexuell übertragbare Infektionen, sexuell übertragbaren Infektionen)
Sexually transmitted infections — sexuell übertragbare Infektionen wie Chlamydien, HIV oder Syphilis. Nur Kondome schützen davor.
Thromboembolie(thromboembolisch, thromboembolische)
Ein Blutgerinnsel, das mit dem Blutstrom verschleppt wird und ein Gefäß verstopft — z. B. eine Lungenembolie.
Thrombose(Thromboserisiko, Thrombosen)
Blutgerinnsel in einer Vene, meist im Bein. Kann sich lösen und eine Lungenembolie auslösen. Hormonelle Verhütung erhöht das Risiko leicht.
WHO
World Health Organization — die Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen. Veröffentlicht u. a. die Kriterien für sichere Verhütung (MEC).

Anatomie

Eileiterschwangerschaft(Extrauteringravidität, ektope Schwangerschaft)
Die befruchtete Eizelle nistet sich außerhalb der Gebärmutter ein, meist im Eileiter. Medizinischer Notfall — Zeichen sind einseitige Schmerzen und Blutungen.
Einnistung(Nidation, Implantation)
Einbettung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut, etwa 6–10 Tage nach dem Eisprung. Danach beginnt die hCG-Bildung.
Eisprung(Ovulation)
Freisetzung einer reifen Eizelle aus dem Eierstock, meist um die Mitte des Zyklus. Voraussetzung für eine Schwangerschaft.
Endometrium(Gebärmutterschleimhaut)
Schleimhaut, die die Gebärmutter von innen auskleidet. Baut sich im Zyklus auf und wird mit der Menstruation abgestoßen.
Myome(Myom, Myomen)
Gutartige Muskelknoten der Gebärmutter. Sie können starke Blutungen und Schmerzen verursachen.
Vaginalflora(Scheidenflora)
Natürliche Bakteriengemeinschaft der Scheide, überwiegend Milchsäurebakterien. Sie hält das Milieu sauer und schützt vor Infektionen.
Zervix(Muttermund, Portio)
Gebärmutterhals mit dem Muttermund als Übergang zur Scheide.
Zervixschleim(Zervix-Schleim)
Schleim am Muttermund. Verändert seine Konsistenz im Zyklus: rund um den Eisprung dünnflüssig (durchlässig für Spermien), sonst zäh.

Hormone

Desogestrel
Gestagen der dritten Generation. Wirkstoff moderner Minipillen mit 12-Stunden-Einnahmefenster; in Kombipillen mit etwas höherem Thromboserisiko verbunden.
Dienogest
Gestagen, das auch zur Behandlung von Endometriose eingesetzt wird und in einigen Kombipillen enthalten ist.
Drospirenon
Gestagen mit leicht entwässernder und Akne-günstiger Wirkung. In Kombipillen mit etwas höherem Thromboserisiko als Levonorgestrel.
Ethinylestradiol
Künstliches Östrogen, das in den meisten Kombinationspillen steckt. Es ist für einen Teil der Nebenwirkungen wie das Thromboserisiko verantwortlich.
Etonogestrel
Gestagen im Verhütungsstäbchen (Implantat) und im Vaginalring.
FSH(follikelstimulierendes Hormon)
Follikelstimulierendes Hormon aus der Hirnanhangdrüse. Es lässt in der ersten Zyklushälfte die Eibläschen im Eierstock heranreifen.
Gestagen(Gestagene, Gestagens)
Weibliches Geschlechtshormon auch "Gelbkörperhormon" genannt. Verdickt den Gebärmutterhalsschleim, hemmt den Eisprung und ist der Hauptwirkstoff der Minipille, Hormonspirale und Implantat.
hCG(humanes Choriongonadotropin)
Schwangerschaftshormon, das wenige Tage nach der Einnistung gebildet wird. Schwangerschaftstests reagieren auf hCG im Urin oder Blut.
Levonorgestrel
Gut untersuchtes Gelbkörperhormon (Gestagen). Enthalten in vielen Pillen, in Hormonspiralen und in der „Pille danach".
LH(luteinisierendes Hormon, LH-Anstieg)
Luteinisierendes Hormon. Sein steiler Anstieg löst rund 24–36 Stunden später den Eisprung aus — darauf reagieren Ovulationstests.
Norethisteron
Älteres Gestagen, u. a. in klassischen Minipillen und einigen Kombipillen enthalten.
Östrogen(Östrogene, Östrogens)
Weibliches Geschlechtshormon, das Zyklus, Schleimhautaufbau in der Gebärmutter und Eisprung steuert. In vielen Pillen enthalten — verantwortlich für einige Risiken (z. B. Blutgerinnsel).
PCOS(Polyzystisches Ovarialsyndrom, Polyzystische Ovarien)
Polyzystisches Ovarialsyndrom: häufige Hormonstörung mit unregelmäßigem Zyklus, erhöhten männlichen Hormonen und oft unerfülltem Kinderwunsch.
Progesteron
Körpereigenes Gelbkörperhormon der zweiten Zyklushälfte. Es bereitet die Gebärmutter auf eine Einnistung vor und hebt die Basaltemperatur leicht an.

Menstruation

Basaltemperatur
Körpertemperatur direkt nach dem Aufwachen, vor dem Aufstehen. Sie steigt nach dem Eisprung um etwa 0,2–0,5 °C an — Grundlage der symptothermalen Methode.
Dysmenorrhoe(Dysmenorrhö, Regelschmerzen)
Medizinischer Begriff für schmerzhafte Menstruation — krampfartige Unterbauchschmerzen rund um die Periode.
Endometriose
Chronische Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Häufige Ursache starker Regelschmerzen.
Lutealphase(Gelbkörperphase)
Zweite Zyklushälfte zwischen Eisprung und Periode, in der der Gelbkörper Progesteron bildet. Dauert meist 12–14 Tage.
Toxisches Schocksyndrom(TSS)
Sehr seltene, aber schwere bakterielle Erkrankung, die mit lange getragenen Tampons oder Cups in Verbindung gebracht wird. Zeichen: plötzliches hohes Fieber, Ausschlag, Kreislaufschwäche.
Zwischenblutungen(Zwischenblutung, Schmierblutung, Schmierblutungen, Spotting)
Leichte Blutungen außerhalb der Periode. In den ersten Monaten nach Beginn einer hormonellen Verhütung häufig und meist harmlos.

Statistik

mIU/ml
Milli-internationale Einheiten pro Milliliter — Maßeinheit für die hCG-Konzentration im Urin oder Blut. Sie gibt an, ab wann ein Schwangerschaftstest reagiert.
Pearl-Index(Pearl Index)
Maßzahl für die Sicherheit einer Verhütungsmethode: Wie viele von 100 Frauen werden trotz Anwendung innerhalb eines Jahres schwanger. Je niedriger, desto sicherer.
perfekte Anwendung(perfekter Anwendung, perfekten Anwendung)
Die Methode wird in jedem Zyklus exakt nach Anleitung benutzt — ohne vergessene Pille, ohne Anwenderfehler. Realistisch nur in Studien.
Sensitivität
Wie empfindlich ein Test ist. Bei Schwangerschaftstests: ab welcher hCG-Menge (in mIU/ml) er anschlägt — je kleiner der Wert, desto früher erkennt er eine Schwangerschaft.
typische Anwendung(typischer Anwendung, typischen Anwendung)
Anwendung im echten Leben mit gelegentlichen Fehlern (vergessene Pille, verspätet eingesetzter Ring). Liefert realistische Sicherheitswerte.

Verhütung

Diaphragma(Diaphragmen)
Flexible Silikonkappe, die vor dem Sex vor den Muttermund gesetzt wird. Wirkt nur zusammen mit Gel als Barriere gegen Spermien.
Expulsion
Ausstoßung einer Spirale aus der Gebärmutter — meist während der Blutung in den ersten Monaten nach dem Einsetzen.
Hormonspirale(Hormon-Spirale)
Spirale, die kontinuierlich das Gestagen (Gelbkörperhormon) direkt in der Gebärmutter abgibt. Sehr sicher, oft schwächere oder ausbleibende Blutung.
Implantat(Verhütungsstäbchen, Hormonstäbchen)
Streichholzgroßes Kunststoffstäbchen, das unter die Haut am Oberarm eingesetzt wird. Gibt 3 Jahre lang ein Gelbkörperhormon (Gestagen) ab — eine der sichersten Methoden.
Kombinationspille(Kombi-Pille)
Pille mit Östrogen und Gestagen. Hemmt den Eisprung — sehr zuverlässig, aber mit erhöhtem Thromboserisiko verbunden.
Kupferionen
Aus Kupferspirale oder -kette freigesetzte Teilchen. Sie machen Spermien unbeweglich und verhindern die Befruchtung — ganz ohne Hormone.
Kupferkette
Kleine Kette aus Kupferzylindern, die im Gebärmuttermuskel verankert wird. Hormonfrei, Wirkdauer bis zu 5 Jahre.
Kupferspirale(Kupfer-Spirale)
Hormonfreie Spirale, die in die Gebärmutter eingesetzt wird. Kupferionen machen Spermien unbeweglich. Wirkt 3–10 Jahre.
LARC
Long-acting reversible contraception: langfristig wirkende, reversible Verhütung wie Spirale, Hormonspirale oder Implantat. Sehr sicher, weil Anwenderfehler entfallen.
Minipille
Pille nur mit Gelbkörperhormon (Gestagen), ohne Östrogen. Geeignet beim Stillen und bei Thromboserisiko. Moderne Präparate mit Desogestrel haben ein 12-Stunden-Einnahmefenster wie die Kombipille; ältere Minipillen müssen auf die Stunde genau genommen werden.
NFP(natürliche Familienplanung)
Natürliche Familienplanung: Zyklusbeobachtung statt Hormonen oder Barrieren. Sicher nur bei geschultem, konsequentem Vorgehen.
Perforation
Sehr seltene Komplikation beim Einsetzen einer Spirale: Sie durchdringt die Gebärmutterwand und muss dann entfernt werden.
Pille danach
Notfallverhütung nach ungeschütztem Sex oder Verhütungspannen. Verschiebt oder verhindert den Eisprung — keine Abtreibungspille.
Portiokappe
Kleine Kappe, die direkt auf dem Muttermund (Portio) sitzt. Im deutschsprachigen Raum derzeit kaum regulär erhältlich.
Spermizid(Spermizide, Spermizidgel)
Chemisches Mittel (meist Gel oder Zäpfchen), das Spermien abtötet oder unbeweglich macht. Allein unsicher — nur als Ergänzung zu Barrieremethoden.
Sterilisation(Vasektomie, Tubenligatur)
Dauerhafte operative Verhütung: bei der Frau werden die Eileiter verschlossen, beim Mann die Samenleiter (Vasektomie). Gilt als nicht rückgängig zu machen.
symptothermale Methode(symptothermal, symptothermale, symptothermalen)
Natürliche Familienplanung, die Basaltemperatur und Zervixschleim kombiniert, um die fruchtbaren Tage zu bestimmen (z. B. Sensiplan).
Vaginalring
Weicher Kunststoffring, der drei Wochen in der Scheide bleibt und dort Östrogen und Gestagen abgibt.
Zykluscomputer
Gerät oder App, das aus Temperatur- und Zyklusdaten fruchtbare und unfruchtbare Tage berechnet. Qualität und Sicherheit unterscheiden sich stark.