Dreimonatsspritze
· Spritze mit 1 Hormon (Gestagen)
Die Dreimonatsspritze (Depot-Medroxyprogesteronacetat, DMPA) ist ein Gestagen-Depotpräparat, das alle 12–13 Wochen in den Muskel oder unter die Haut gespritzt wird. Sie zählt zu den zuverlässigsten Methoden, hat aber zwei Besonderheiten, die sie von anderen Gestagen-Methoden abhebt: eine reversible Abnahme der Knochendichte (Knochenschwund) und eine Wirkung, die nach dem Absetzen nicht sofort endet, sondern über Monate nachwirkt.
Medizinisch geprüft
Fachlich freigegeben von Dr. med. Martin Kiebler, Facharzt für Gynäkologie — zuletzt aktualisiert am 02. Juni 2026.
Pearl-Index 0,3 (perfekt), 6 (typisch)
Ja
12 Wochen pro Injektion
30–50 € / Quartal
Wie wirkt diese Methode?
DMPA unterdrückt zuverlässig den Eisprung durch Hemmung von Hormonen in der Hirnanhangsdrüse (FSH und LH), ähnlich wie die Minipille, jedoch in deutlich höherer Dosierung und als Depot. Zusätzlich verdickt es den Zervixschleim und dünnt die Gebärmutterschleimhaut aus. Die über Wochen konstant hohe Gestagendosis unterdrückt dabei auch die körpereigene Östrogenproduktion in den Eierstöcken stärker als andere Gestagen-Methoden – das ist die Ursache des Knochendichteeffekts.
Wirksamkeit im Detail
Perfekte Anwendung
0,2
Schwangerschaften pro 100 Frauen-Jahre
Typische Anwendung
6
Schwangerschaften pro 100 Frauen-Jahre
Die Lücke zwischen perfekter und typischer Anwendung entsteht fast ausschließlich durch verspätete Folgespritzen. Das Zeitfenster für die Wiederholungsspritze ist mit 12–13 Wochen (± 1 Woche je nach Präparat) enger als bei anderen Depotmethoden.
Anwendung Schritt für Schritt
- Injektion alle 12 Wochen (in den Muskel) oder alle 13 Wochen (unter die Haut) durch medizinisches Fachpersonal.
- Bei subkutaner Formulierung ist nach Einweisung auch Selbstinjektion durch die Anwenderin möglich.
- Terminüberschreitung über das zugelassene Fenster hinaus erfordert vor der nächsten Injektion einen Schwangerschaftsausschluss.
- Vor Beginn und im Verlauf sollte die Anwendungsdauer mit der Praxis besprochen werden, insbesondere bei geplanter Anwendung über mehr als 2 Jahre.
Vorteile & Nachteile
- Nur 4× pro Jahr
- Östrogenfrei
- Verzögerte Rückkehr der Fruchtbarkeit (bis 12 Monate)
- Knochendichteverlust möglich
- Gewichtszunahme
Für wen geeignet — und wann eher nicht
Gut geeignet, wenn…
- Personen, die eine Injektion alle 3 Monate einer täglichen oder wöchentlichen Anwendung vorziehen
- Personen, für die keine Spirale für eine längerfristige Verhütung in Frage kommt
- Personen mit Kontraindikation gegen Östrogen
- Personen ohne kurzfristigen Kinderwunsch, da die verzögerte Fruchtbarkeitsrückkehr eingeplant werden muss
Eher ungeeignet, wenn…
- Personen mit bestehender Osteoporose oder relevanten Risikofaktoren für Knochendichteverlust
- Personen mit kurzfristigem Kinderwunsch, wegen der verzögerten Rückkehr der Fruchtbarkeit
- Jugendliche in der Phase des Knochenaufbaus, wenn Alternativen infrage kommen (besondere ärztliche Abwägung erforderlich)
- Personen mit hormonabhängigen Tumoren in der Vorgeschichte
Nebenwirkungen & Schutz
Häufig
- Unregelmäßige Blutungen in den ersten Monaten, später häufig Ausbleiben der Periode
- Gewichtszunahme (bei DMPA im Vergleich zu anderen Gestagen-Methoden häufiger dokumentiert)
- Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen
- Verzögerte Rückkehr der Fruchtbarkeit nach Absetzen
Selten, aber relevant
- Abnahme der Knochenmineraldichte bei längerer Anwendung
- Depressive Verstimmungen
- Gering erhöhtes Thromboserisiko
Wann diese Methode nicht eingesetzt werden sollte
- Bestehende oder kürzlich zurückliegende venöse Thrombose
- Hormonabhängige Tumoren
- Schwere Lebererkrankungen
- Bekannte Herz-Kreislauf-Risikofaktoren
- Bekannte Osteoporose oder relevante Risikofaktoren für verminderte Knochendichte (z. B. Cortison-Dauertherapie, Essstörung in der Vorgeschichte)
- Unklare vaginale Blutungen vor Abklärung der Ursache
Reversibilität & Kosten in DACH
Rückkehr der Fruchtbarkeit
Achtung: Die Rückkehr der Fruchtbarkeit ist bei DMPA verzögert gegenüber allen anderen hormonellen Methoden: Im Median dauert es 9–10 Monate ab der letzten Injektion, bis wieder ein Eisprung stattfindet, bei einem Teil der Frauen auch länger. Das liegt am Depotcharakter des Präparats – anders als bei Pille, Pflaster, Ring oder Stäbchen lässt sich die Wirkung nach der Injektion nicht vorzeitig stoppen; das Hormon baut sich langsam ab, unabhängig vom Anwendungswunsch. Wer kurzfristig eine Schwangerschaft plant, sollte diese Verzögerung in die Methodenwahl einbeziehen.
Kosten DACH
Deutschland: ca. 30–50 € pro Injektion (alle 3 Monate), i.d.R. Selbstzahlerleistung außerhalb der GKV-Altersgrenze. Österreich: ca. 30–50 € pro Injektion. Schweiz: ca. 50–80 CHF pro Injektion, i.d.R. Selbstzahlerleistung.
Häufige Fragen
Quellen
- · S3-Leitlinie Hormonelle Empfängnisverhütung (AWMF 015-015, 2020)
- · FSRH Clinical Guideline: Progestogen-only Injectable Contraception (2020)
- · WHO Medical Eligibility Criteria for Contraceptive Use, 5. Auflage (2015)
- · Trussell J. Contraceptive failure in the United States. Contraception 2011;83(5):397–404
Hinweis: Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung. Individuelle Eignung sollte mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt besprochen werden.
Alternativen vergleichen
Kombinationspille
2 Hormone (Östrogen + Gestagen), oral
Pearl-Index: Pearl-Index 0,3 (perfekt), 9 (typisch)
HormonellHormonspirale
In die Gebärmutter eingesetzte hormonhaltige Spirale mit 1 Hormon (Gestagen)
Pearl-Index: Pearl-Index 0,16-0,28 (je nach Modell - perfekt und typisch annähernd gleich)
HormonellVerhütungspflaster
Pflaster mit 2 Hormonen (Östrogen + Gestagen)
Pearl-Index: Pearl-Index 0,3 (perfekt), 9 (typisch)
HormonellVerhütungsstäbchen
Unter die Haut im Oberarm eingelegtes Stäbchen mit 1 Hormon (Gestagen)
Pearl-Index: Pearl-Index 0,05