Hormonspirale
· In die Gebärmutter eingesetzte hormonhaltige Spirale mit 1 Hormon (Gestagen)
Die Hormonspirale ist ein T-förmiges Plastikstäbchen, das kontinuierlich eine geringe Menge Hormon (Gestagen) lokal in der Gebärmutter freisetzt. Sie zählt zu den zuverlässigsten Verhütungsmethoden überhaupt, wirkt je nach Präparat 3–8 Jahre und führt bei vielen Anwenderinnen zu einer deutlich schwächeren oder ganz ausbleibenden Periode.
Medizinisch geprüft
Fachlich freigegeben von Dr. med. Martin Kiebler, Facharzt für Gynäkologie — zuletzt aktualisiert am 02. Juni 2026.
Pearl-Index 0,16-0,28 (je nach Modell - perfekt und typisch annähernd gleich)
Ja
3–8 Jahre
300–450 €
Wie wirkt diese Methode?
Levonorgestrel verdickt den Zervixschleim so stark, dass Spermien die Gebärmutter kaum erreichen, und dünnt die Gebärmutterschleimhaut aus, sodass sich eine befruchtete Eizelle dort schwerer einnisten kann. Bei einem Teil der Anwenderinnen wird zusätzlich der Eisprung unterdrückt, da geringe Mengen des Hormons ins Blut übergehen – im Gegensatz zur Pille bleibt die systemische Hormonkonzentration aber niedrig, da die Wirkung überwiegend lokal in der Gebärmutter stattfindet.
Wirksamkeit im Detail
Perfekte Anwendung
0,16-0,28
Schwangerschaften pro 100 Frauen-Jahre
Typische Anwendung
0,16-0,28
Schwangerschaften pro 100 Frauen-Jahre
Die Lücke zwischen perfekter und typischer Anwendung ist minimal, da nach der Einlage keine tägliche Mitwirkung nötig ist. Restrisiko entsteht fast ausschließlich durch unbemerkte Ausstoßung (Expulsion), nicht durch Anwendungsfehler.
Anwendung Schritt für Schritt
- Einlage durch eine Frauenärztin/einen Frauenarzt, meist während der Menstruation.
- Wirkdauer je nach Präparat unterschiedlich: kleinere, niedrig dosierte Varianten ca. 3 Jahre, mittlere Dosierung ca. 5 Jahre, höher dosierte Varianten bis zu 8 Jahre je nach Zulassung.
- Ultraschallkontrolle nach der Einlage und nach der ersten Periode empfohlen.
- In den ersten 3–6 Monaten sind unregelmäßige Schmier- und Zwischenblutungen normal, bevor sich die Blutung meist deutlich abschwächt oder ausbleibt.
Vorteile & Nachteile
- Sehr hohe Sicherheit
- Schwächere Blutung
- Lokale Hormonwirkung
- Schmierblutungen anfangs
- Hormonelle Nebenwirkungen möglich
Für wen geeignet — und wann eher nicht
Gut geeignet, wenn…
- Personen, die eine sehr zuverlässige Langzeitverhütung mit reduzierter systemischer Hormonwirkung wünschen
- Personen mit starken oder schmerzhaften Regelblutungen, da die Hormonspirale diese oft deutlich lindert
- Personen, die tägliche Einnahme vermeiden möchten, aber im Gegensatz zur Kupferspirale eine Blutungsreduktion wünschen
Eher ungeeignet, wenn…
- Personen mit hormonabhängigen Tumoren in der Vorgeschichte
- Akute Unterleibsentzündungen oder hohes Infektionsrisiko
- Personen, die unregelmäßige Blutungen in der Eingewöhnungsphase nicht tolerieren möchten
Nebenwirkungen & Schutz
Risiken
Häufig
- Unregelmäßige Schmierblutungen in den ersten Monaten
- Ausbleiben der Periode (Amenorrhoe) bei einem größeren Teil der Anwenderinnen
- Hormonelle Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Hautveränderungen oder Stimmungsschwankungen (schwächer als bei der Pille, da niedrigere systemische Dosis)
- Ziehen im Unterbauch nach der Einlage
Selten, aber relevant
- Ausstoßung (Expulsion), v.a. im ersten Jahr
- Perforation der Gebärmutter bei der Einlage (ca. 1–2 pro 1.000 Einlagen)
- Bildung von Eierstockzysten (meist symptomlos, bilden sich oft spontan zurück)
- Aufsteigende Infektion, v.a. in den ersten 20 Tagen nach Einlage
Schützend
- Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom): Große finnische Registerstudie (93.843 Anwenderinnen): deutlich reduziertes Risiko für invasive Ovarialkarzinome und Vorstufen (Borderline-Tumoren).
- Gebärmutterkörperkrebs (Endometriumkarzinom): Das Risiko ist reduziert – die Hormonspirale wird deshalb teils sogar zur Behandlung von Vorstufen eingesetzt.
Wann diese Methode nicht eingesetzt werden sollte
- Akute oder rezidivierende Unterleibsentzündungen
- Unklare vaginale Blutungen
- Bestehende Schwangerschaft
- Hormonabhängige Tumoren, insbesondere Brustkrebs
- Schwere Lebererkrankungen
- Akute Thrombose/Lungenembolieoder Gerinnungsstörung
- Herzkranzgefässeinengungen
- Fehlbildungen der Gebärmutter, die eine korrekte Lage verhindern
Reversibilität & Kosten in DACH
Rückkehr der Fruchtbarkeit
Nach Entfernung durch die Praxis kehrt die Fruchtbarkeit rasch zurück, meist innerhalb weniger Zyklen. Da die Wirkung überwiegend lokal ist, gibt es keinen relevanten Unterschied zu hormonfreien Methoden bei der Rückkehr der Fruchtbarkeit.
Kosten DACH
Deutschland: einmalig ca. 200–350 € je nach Präparat und Wirkdauer für Material und Einlage, Kostenübernahme durch die GKV bis zum 22. Geburtstag möglich. Österreich: ca. 200–350 €. Schweiz: ca. 300–500 CHF, i.d.R. Selbstzahlerleistung.
Häufige Fragen
Quellen
- · S3-Leitlinie Hormonelle Empfängnisverhütung (AWMF 015-015, 2020)
- · FSRH Clinical Guideline: Intrauterine Contraception (2023)
- · WHO Medical Eligibility Criteria for Contraceptive Use, 5. Auflage (2015)
- · Trussell J. Contraceptive failure in the United States. Contraception 2011;83(5):397–404
Hinweis: Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung. Individuelle Eignung sollte mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt besprochen werden.
Alternativen vergleichen
Kupferspirale
In die Gebärmutter eingesetzte hormonfreie Spirale
Pearl-Index: Pearl-Index 0,3–0,8
HormonfreiKupferkette
In die Gebärmutter eingesetzte hormonfreie Kette
Pearl-Index: Pearl-Index 0,1–0,5
HormonfreiKondom
Barrieremethode
Pearl-Index: Pearl-Index 2 (perfekt), 13 (typisch)
HormonellVerhütungsstäbchen
Unter die Haut im Oberarm eingelegtes Stäbchen mit 1 Hormon (Gestagen)
Pearl-Index: Pearl-Index 0,05