Kondom
Diverse Hersteller · Barrieremethode
Das Kondom ist die einzige Verhütungsmethode, die gleichzeitig vor einer Schwangerschaft und vor sexuell übertragbaren Infektionen (STIs) schützt. Es ist hormonfrei, rezeptfrei erhältlich und sofort einsatzbereit, hat aber eine deutlich größere Lücke zwischen perfekter und typischer Anwendung als hormonelle Methoden – Anwendungsfehler sind der Hauptgrund für Versagen.
Medizinisch geprüft
Fachlich freigegeben von Dr. med. Martin Kiebler, Facharzt für Gynäkologie — zuletzt aktualisiert am 02. Juni 2026.
Pearl-Index 2 (perfekt), 13 (typisch)
Nein
Einmalig
0,30–1 € / Stück
Wie wirkt diese Methode?
Das Kondom aus Latex oder Polyurethan wird über den erigierten Penis abgerollt und bildet eine mechanische Barriere: Es verhindert, dass Spermien in die Scheide gelangen, und blockiert gleichzeitig den Austausch von Körperflüssigkeiten, über die sexuell übertragbare Infektionen (z. B. HIV, Chlamydien, Gonokokken) weitergegeben werden.
Wirksamkeit im Detail
Perfekte Anwendung
2
Schwangerschaften pro 100 Frauen-Jahre
Typische Anwendung
13
Schwangerschaften pro 100 Frauen-Jahre
Die große Lücke zwischen perfekter Anwendung (2 Schwangerschaften pro 100 Frauen-Jahre) und typischer Anwendung (~13) entsteht durch Anwendungsfehler: falsche Größe, zu spätes Überziehen, Abrutschen oder Reißen, fehlerhafte Lagerung sowie die Verwendung von ölhaltigen Gleitmitteln bei Latexkondomen, die das Material angreifen.
Anwendung Schritt für Schritt
- Kondom vor jedem Kontakt zwischen Penis und Vagina/Anus/Mund überziehen – nicht erst kurz vor dem Samenerguss.
- Vor dem Abrollen die Luft aus dem Reservoir an der Spitze drücken, um Platzen zu vermeiden.
- Nur wasser- oder silikonbasierte Gleitmittel verwenden; Öl, Vaseline oder fetthaltige Cremes zersetzen Latex.
- Nach dem Samenerguss den Penis noch im erigierten Zustand herausziehen und dabei das Kondom am Ansatz festhalten, damit nichts abrutscht.
- Kondome kühl, trocken und lichtgeschützt lagern; Haltbarkeitsdatum prüfen, keine Kondome aus der Geldbörse (Hitze/Reibung) verwenden.
Vorteile & Nachteile
- Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten
- Rezeptfrei
- Anwendungsfehler möglich
- Latexallergien (Latexfreie Kondome aus Polyurethan oder Polyisopren erhältlich)
Für wen geeignet — und wann eher nicht
Gut geeignet, wenn…
- Personen, die zusätzlich zu einer Schwangerschaftsverhütung Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen wünschen
- Personen, die keine hormonelle Verhütung nutzen möchten oder können
- Gelegentliche oder wechselnde Sexualkontakte
- Wunsch nach einer Methode ohne Rezept, ohne ärztliche Anpassung und ohne systemische Wirkung
Eher ungeeignet, wenn…
- Personen mit bekannter Latexallergie sollten auf Polyurethan- oder Polyisopren-Kondome ausweichen
- Als alleinige Methode ungeeignet für Personen, die eine sehr hohe Zuverlässigkeit ohne Anwendungsrisiko benötigen (z. B. in Kombination mit einer zweiten Methode erwägen)
Nebenwirkungen & Schutz
Häufig
- Gefühl des Empfindlichkeitsverlusts (subjektiv, individuell unterschiedlich)
- Unterbrechung des Vorspiels durch das Überziehen
- Gelegentliches Abrutschen oder Reißen bei falscher Anwendung
Selten, aber relevant
- Latexallergie (Kontaktdermatitis bis hin zu allergischen Reaktionen)
- Reizungen durch Zusatzstoffe wie Spermizide oder Aromen
Wann diese Methode nicht eingesetzt werden sollte
- Bekannte Latexallergie (Alternative: Kondome aus Polyurethan oder Polyisopren)
- Keine medizinischen Kontraindikationen im eigentlichen Sinne – die Methode ist für nahezu alle Personen geeignet
Reversibilität & Kosten in DACH
Rückkehr der Fruchtbarkeit
Sofort reversibel. Es gibt keinerlei Einfluss auf Zyklus, Hormonhaushalt oder Fruchtbarkeit, da keine systemische Wirkung vorliegt.
Kosten DACH
Deutschland, Österreich und Schweiz: ca. 0,30–1 € pro Stück je nach Marke und Packungsgröße; in Deutschland im Rahmen der Familienplanung für Menschen mit geringem Einkommen teilweise über Beratungsstellen kostenlos erhältlich.
Häufige Fragen
Quellen
- · S2k-Leitlinie Nicht-hormonelle Empfängnisverhütung (AWMF 015-095, 08/2024)
- · Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) – Verhütungsinformationen
- · Robert Koch-Institut – Empfehlungen zur Prävention sexuell übertragbarer Infektionen 2023
- · Trussell J. Contraceptive failure in the United States. Contraception 2011;83(5):397–404
- · WHO – Family planning/contraception methods, Fact sheet
Hinweis: Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung. Individuelle Eignung sollte mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt besprochen werden.
Alternativen vergleichen
Minipille
1 Hormon (Gestagen), oral
Pearl-Index: Pearl-Index 0,4 (perfekt), 9 (typisch)
HormonellHormonspirale
In die Gebärmutter eingesetzte hormonhaltige Spirale mit 1 Hormon (Gestagen)
Pearl-Index: Pearl-Index 0,16-0,28 (je nach Modell - perfekt und typisch annähernd gleich)
HormonellVerhütungsring
Vaginalring mit 2 Hormonen (Östrogen + Gestagen)
Pearl-Index: Pearl-Index 0,4–0,65 (perfekt), 0,9-1,18 (typisch)
HormonellVerhütungspflaster
Pflaster mit 2 Hormonen (Östrogen + Gestagen)
Pearl-Index: Pearl-Index 0,3 (perfekt), 9 (typisch)