VerhütungMittlereEvidenzHormonfrei

Kupferkette

· In die Gebärmutter eingesetzte hormonfreie Kette

Die Kupferkette ist eine hormonfreie Langzeitverhütung, bei der mehrere Kupferzylinder auf einem Faden aufgereiht und direkt in die Gebärmuttermuskulatur verankert werden – im Unterschied zur klassischen Kupferspirale ohne starren Kunststoffrahmen. Sie gilt als besonders geeignet bei kleiner oder empfindlicher Gebärmutterhöhle, ist aber nur bei wenigen spezialisierten Ärztinnen und Ärzten erhältlich.

Medizinisch geprüft

Fachlich freigegeben von Dr. med. Martin Kiebler, Facharzt für Gynäkologie — zuletzt aktualisiert am 02. Juni 2026.

Wirksamkeit

Pearl-Index 0,1–0,5

Hormonell

Nein

Anwendung

Bis zu 5 Jahre

Kosten

250–400 €

Wie wirkt diese Methode?

Wie bei der Kupferspirale setzen die Kupferionen Spermien außer Gefecht und erschweren die Einnistung durch eine lokale Entzündungsreaktion in der Gebärmutterschleimhaut. Der entscheidende Unterschied liegt in der Verankerung: Ein Knoten am oberen Ende des Fadens wird in die Muskelschicht der Gebärmutter eingebracht, wodurch die Kette beweglich in der Gebärmutterhöhle hängt statt sich wie die Spirale an deren Form anzupassen.

Wirksamkeit im Detail

Perfekte Anwendung

0,1

Schwangerschaften pro 100 Frauen-Jahre

Typische Anwendung

0,5

Schwangerschaften pro 100 Frauen-Jahre

Die muskelverankerte Bauweise soll laut Herstellerangaben und kleineren Studien das Ausstoßungsrisiko gegenüber der klassischen Kupferspirale senken, insbesondere bei Frauen mit kleiner Gebärmutterhöhle. Die S2k-Leitlinie behauptet genau das Gegenteil: Zitat: Im Vergleich zwischen Kupferspirale und Kupferkette war die Expulsionsrate im ersten Jahr für die Kupferkette in 2 Studien signifikant höher. Die Datenlage ist im Vergleich zu etablierten Kupferspiralen also sehr unterschiedlich.

Mehr zum Pearl-Index lesen →

Anwendung Schritt für Schritt

  1. Einlage ausschließlich durch speziell geschulte Ärztinnen/Ärzte, da die Verankerung in der Gebärmuttermuskulatur ein anderes Vorgehen erfordert als bei der klassischen Spirale.
  2. Einlage meist während der Menstruation, wenn der Gebärmutterhalskanal weiter ist.
  3. Ultraschallkontrolle nach der Einlage und nach der ersten Periode empfohlen, um die korrekte Verankerung zu prüfen.
  4. Wirkdauer je nach Modell bis zu 5 Jahre, danach Wechsel oder Entfernung durch die Praxis.

Vorteile & Nachteile

  • Hormonfrei
  • Flexibel, auch bei kleiner Gebärmutter
  • Sehr zuverlässig
  • Einsetzen erfordert erfahrene Ärztin & wird nicht überall angeboten
  • Stärkere Blutung möglich

Für wen geeignet — und wann eher nicht

Gut geeignet, wenn…

  • Personen mit kleiner oder anatomisch enger Gebärmutterhöhle, bei denen eine klassische Spirale schlecht passt oder häufiger ausgestoßen wurde
  • Personen, die eine sehr zuverlässige, hormonfreie Langzeitverhütung wünschen
  • Personen mit Kontraindikation gegen hormonelle Methoden

Eher ungeeignet, wenn…

  • Personen mit starken oder schmerzhaften Regelblutungen, da diese durch Kupfer generell verstärkt werden
  • Akute Unterleibsentzündungen oder hohes Infektionsrisiko
  • Personen ohne Zugang zu einer in der Methode erfahrenen Praxis – die Nachsorge bei Komplikationen erfordert Spezialkenntnisse

Nebenwirkungen & Schutz

Häufig

  • Stärkere und längere Menstruationsblutungen
  • Verstärkte Regelschmerzen, besonders in den ersten Monaten
  • Zwischenblutungen in der Eingewöhnungsphase
  • Ziehen im Unterbauch nach der Einlage

Selten, aber relevant

  • Perforation der Gebärmutter bei der Einlage, insbesondere durch die muskuläre Verankerung
  • Ausstoßung, seltener als bei rahmenbasierten Kupferspiralen, aber nicht ausgeschlossen
  • Aufsteigende Infektion, v.a. in den ersten 20 Tagen nach Einlage
  • Bei Eintritt einer Schwangerschaft erhöhtes relatives Risiko einer Eileiterschwangerschaft

Wann diese Methode nicht eingesetzt werden sollte

  • Akute oder rezidivierende Unterleibsentzündungen
  • Unklare vaginale Blutungen
  • Bestehende Schwangerschaft
  • Morbus Wilson (Kupferspeicherkrankheit) oder bekannte Kupferallergie
  • Fehlbildungen der Gebärmutter, die eine sichere muskuläre Verankerung verhindern

Reversibilität & Kosten in DACH

Rückkehr der Fruchtbarkeit

Sofort reversibel nach Entfernung durch die Praxis. Die Fruchtbarkeit kehrt unmittelbar zurück, da kein hormoneller Einfluss auf den Zyklus vorliegt.

Kosten DACH

Deutschland, Österreich, Schweiz: einmalig ca. 250–400 € für Material und Einlage, i.d.R. Selbstzahlerleistung. Die Einlage ist tendenziell teurer als bei der klassischen Kupferspirale, da nur wenige Praxen die Methode anbieten und die Schulung der behandelnden Person mit einfließt.

Häufige Fragen

Quellen

Hinweis: Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung. Individuelle Eignung sollte mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt besprochen werden.

Alternativen vergleichen

Weiterlesen im Ratgeber